Oberperfuss - ein lebendes und bedeutendes Krippendorf

Seit Jahrhunderten befällt die Menschheit der geheime Zauber der Weihnacht und das schönste Fest des Jahres, das Wunder der "Stillen und Heiligen Nacht" wäre ohne "Kripperl" nicht vorstellbar. So haben vorallem im Alpenraum und ganz besonders in Tirol viele Menschen ihre handwerklichen und künstlerischen Talente in den Krippenbau und das Figurenschnitzen eingebracht. Dies gilt im besonderen auch für Oberperfuss, einer Berggemeinde im Herzen dieses Landes. In der "Anich – Gemeinde", wie sie nach ihrem berühmtesten Sohn, dem Kartographen Peter Anich auch genannt wird, ist die Krippe aber nicht Relikt aus vergangener Zeit sondern wird der Krippengedanke auch in der Gegenwart gehegt, gepflegt und immer wieder mit neuem Geiste erfüllt.


Die Gründung des Vereins
Hauptverantwortlich und treibende Kraft hiefür ist der Krippenverein Oberperfuss, der bereits im Jahre 1909, gleichzeitig mit dem Tiroler Krippenverein, aus der Taufe gehoben wurde. Zu seinen Gründungsvätern gehörten: der Lehrer Johann Spiegl als Obmann des Peter-Anich-Museums, Johann Weber, vulgo "Reign Hansl", der Dorfwirt Anton Niederkircher sowie Peter Pienz, Kassian und Sebastian Weber.
Der Boden fürs "Krippele" war aber schon viel früher gelegt worden, besaßen doch alle Gründungsväter höchst kunstvolle Krippen. So stammten beispielsweise Figuren der Kassian – Weber – Krippe nachweislich aus den Jahren 1820 und 1874, und trugen Papierfiguren aus dem Krippenschatz des Josef Weber die Jahrzahl 1758!
So mancher "Krippeler", wie etwa Josef und Kassian Weber, aber auch der Landschaftenmaler Ernst Spiegl – er ist leider aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr heimgekehrt – verwerteten das auf Pilgerfahrten im Heiligen Land Gesehene beim Krippenbau und der Hintergrundmalerei.


Josef Spiegl und seine Schüler
Der Senior der Oberperfer Schnitzer, der schon mit 14 Jahren seine erste vollständige Krippe schuf, war Josef Spiegl. Spiegl, vulgo Daniels Seppl, galt als ausgezeichneter Krippenplastiker und weitum als bester Schafschnitzer. Seine Figuren sind in vielen Dörfern Tirols, aber auch im Ausland zu finden. Er prägte entscheidend die Oberperfer Krippenschnitzer Anton Anich, Peter Köchl, Hermann Kuen, Josef Kuen und Albert Kirchebner. Die Schnitzertradition wird auch von seinen Söhnen Franz und Karl und besonders von seinem Enkel Konrad fortgesetzt.


Der Verein und seine Leistungen
Seit 1960 werden in Oberperfuss auch Krippenbaukurse, zunächst unter der Leitung von Hermann Kuen dann unter Karl Triendl und nunmehr unter Gerhard Wolf abgehalten. So entstehen Jahr für Jahr neue Krippen, über hundert an der Zahl sind derzeit in Oberperfuss zu bestaunen. Auch Schnitzkurse werden immer wieder, erstmals 1973, vom Krippenverein organisiert. Bewährte Lehrer wie Anton Anich, Hermann Kuen und zuletzt der junge Meister Konrad Spiegl, um nur einige zu nennen, haben so manchem Interessierten das nötige Rüstzeug vermittelt und ihn in die Lage versetzt, die Figuren seiner Krippe selbst zu schaffen. So werden Jahr für Jahr um Weihnachten die schönsten Krippen von zahlreichen Besuchern aus dem In– und Ausland bestaunt und bewundert. Sie alle tragen den Ruf von Oberperfuss als Krippendorf weiter und bestätigen die lobenden Worte von Chrysostomus Mösl, die er im Jahre 1936 in einem Schreiben zum Ausdruck gebracht hat:


"OBERPERFUSS IST KEINESWEGS DAS
GERINGSTE DER KRIPPENDÖRFER TIROLS."

geschrieben von Gottfried Heis

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